Eine Ära ist zu Ende gegangen
Anton Inführ ist tot, und damit ist einer der letzten Pioniere der österreichischen Modellbahnbau-Szene von uns gegangen.
Anton Inführ als Fahrdienstleister auf seiner Gartenbahn
Eisenbahnbetrieb mit Freunden
Einige Modelle, gebaut von Inführ Vater und Sohn
Modelleisenbahn im Garten
Anton Inführ im Klub
Im Garten - die Modelleisenbahn wartet schon
Meisterlich von Anton Inführ gebaut (Rh 78)
Anton Inführ, geboren im Jahre 1929, wuchs in der Not einer wirtschaftlich und politisch unruhigen Zeit auf, konnte aber am TGM, dem Technologischen Gewerbemuseum seinen Ingenieur-Titel erwerben und war zeitlebens als Techniker berufstätig. Ausgedehnte berufliche wie private Reisen führten ihn um die ganze Welt.
Anton „Toni“ Inführ kam schon früh mit der Modelleisenbahn in Kontakt, zumal sein gleichnamiger Vater Anton Inführ senior gemeinsam mit Karl Koffend und Viktor Peterka einer der Gründerväter des Ersten Österreichischen Eisenbahn-Modellbau-Klubs (EÖEMK) war. NB: Der EOEMK ist der zweitälteste Modellbahnklub auf dem europäischen Festland (nur die Hamburger sind mit ihrem MEHEV und der bewunderswerten Spur 1-Anlage um wenige Wochen älter, kämpfen aber im Moment um ihre Existenz, weil der Verlust der Vereinsräumlichkeiten im Hamburg-Museum droht).
Toni's Vater begann schon früh mit dem Bau einer ausgedehnten Gartenbahn-Anlage im damals geltenden Spur II Maßstab 1:25, aus modellbauerischen Gründen allerdings in der Spurweite 52 mm; früheste Fotos lassen einen Baubeginn 1932 vermuten. Die ausgedehnte Anlage – damals noch als end-to-end-Anlage konzipiert - war schnell reihum berühmt, man konnte sie an Wochenenden besuchen (der Verfasser kann sich an einen Besuch mit seinem Vater erinnern, es war vor ca. 70 Jahren…). Und sehr schnell fand diese Anlage Eingang in die Modellbahnliteratur, z.B. Wollmann, Rudolf, Die elektrische Modelleisenbahn, Ravensburg, 1945 (mit vielen Fotos). Anton, der Sohn, hatte schon früh mit dem Bau von Fahrzeugen für die väterliche Gartenbahn begonnen, sein späteres Meisterwerk war wohl der TW 4010, der Transalpin, der allerdings auch seinen Entschluss brachte, ‚nie mehr wieder eine Garnitur!‘ - ein fachkundiger Besucher aus den USA meinte, diese Gartenbahn ist keine ‚Modell’-Eisenbahn, das ist EISENBAHN!
Einige Jahre hatte die Gartenbahn auch ein Intermezzo in einer großen Miniatur-Landschaft fern von Wien, später kam sie zurück in den Inführ’schen Garten und wurde zu einer großen Rundum-Anlage umgebaut.
Anton Inführ hat aber auch lange Jahre die Geschicke des Klubs mit ruhiger Hand gelenkt, und unter seiner Ägide nahm der EÖEMK an mehreren Ausstellungen in Wien, aber auch in Salzburg, Wolkersdorf und in Aarau in der Schweiz teil.
Vor wenigen Jahren hat er dann den Vorsitz des Klubs zurück und in jüngere Hände gelegt, aus diesem Anlass hat ihm der EÖEMK die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
In den letzten Jahren hatte sich Anton Inführ auch für die Spur 0 begeistert und drei ÖBB Spantenwagen und eine Dampflokomotive Reihe 729/78 gebaut. Schon Jahre zuvor hatte er sich auch mit mehreren Modulen am Bau der Spur 0 Anlage beteiligt.
Sein Herzenswunsch, den ‚Hunderter‘ zu erreichen, war ihm nicht mehr vergönnt. Jetzt können wir ihm nur noch wünschen, dass er an seinem neuen Aufenthaltsort eine gut eingerichtete Werkstatt und ein paar Meter Gleis zum Ausprobieren vorfindet…..
Wir alle vom EÖEMK werden ihm stets ein ehrendes Angedenken bewahren und unser Mitgefühl gilt seiner ganzen Familie, allen voran seiner Tochter und seinem Schwiegersohn.
Gute Fahrt, Anton!
Friedrich Wagner
EÖEMK